Nordirland, welches aus sechs der neun Grafschaften der Provinz Ulster besteht, gehört als einziger Teil der irischen Insel zum Vereinigten Königreich. Im Zuge der Neubesiedlung durch die britische Krone im 16. Jahrhundert hielt eine neue Bevölkerungsgruppe, die zudem eine andere Glaubensrichtung vertrat, Einzug auf der irischen Insel. Dies gilt heute gemeinhin als Ursprung jenes Konfliktes, welcher von den Iren oft salopp als "The Troubles" bezeichnet wird und das Land bis zur Jahrtausendwende erschütterte. Auch wenn die paramilitärischen Körperschaften beider Seiten offiziell die Waffen niedergelgt haben, so existieren auch heute noch Hass und Misstrauen zwischen jenen Bevölkerungsgruppen, was sich auf nahezu alle Lebensbereiche auswirken kann.
Kinder beiderlei Lager haben im Greenhill YMCA in Newcastle daher die Möglichkeit, fernab der Troubles, die Natur und einander besser kennen zu lernen. Sie dabei anzuleiten und zu unterstützen, wird während der nächsten 13 Monate zu meinen Aufgaben gehören.

Dienstag, 1. März 2011

Wie macht der Seehund?

Nachdem die letzte Woche mit vielen Gruppen und ebensovielen Einsätzen meinerseits, sowohl als Group Host, als auch als eine Art Aufpasser für die Newbies während deren ersten Sessions recht arbeitssam war, habe ich einmal mehr mein freies Wochenende in vollen Zügen genossen. Anders als andere Wochenenden begann dieses jedoch erst am Samstagabend mit einem Besuch bei Clara und Melissa. Als ich gestern Abend nach fast 24-Stunden Gemütlichkeit in Belfast im Schweiße meines Angesichts den hiesigen Hügel erklomm, fasste ich den Entschluss, dass damit der Plackerei für diesen Abend noch nicht genug sei und ich, ob des hellen Sternenhimmels, den Weg zum Steinbruch auf mich nehmen würde, um dort Sterne zu gucken und zu fotografieren. Es hat sich gelohnt.
Der heutige Tag dann stand ganz im Zeichen des Seehunds; und das kam so:

Als ich heute nichtsahnend am Murlough Beach entlang joggte und mich gerade an die Durchwatung jenes Flüsschens machte, dass den Dundrumer Bodden mit dem Meer verbindet, dachte ich mich laust der Affe. Dort schwamm irgendetwas im Wasser. Länger als ein Vogel aber zu einem Hund passte der Schwimmstil auch nicht wirklich. Potzblitz; es waren Seehunde oder Robben oder so!
(http://en.wikipedia.org/wiki/Harbor_seal)
Wie auch immer, vermerkt werden kann jedenfalls, dass diese Biester, anders als ihre verrückten, im Zoo beheimateten Artgenossen keineswegs zutraulich sind. Man beäugte mich wachsam und ein recht großes und augenscheinlich altes Exemplar schnaubte mich auch wenig vertrauenerweckend an. Vielleicht eine Art Alphamännchen oder so, falls es das bei Seehunden gibt. Jedenfalls beschloss ich an diese Stelle am Nachmittag mit meiner Kamera und einem Zoom-Objektiv zurückzukehren. Gesagt getan, ich kehrte zurück und schoss über 200 Bilder, an denen ich euch mit diesen beiden Anteil haben lassen möchte. Leider schwamm jedoch bei meiner Rückkehr nur noch ein einziger Seehund, die anderen ließen sich von der heranziehenden Flut beplätschern und lagen nur faul rum. Spielverderber.

Am morgigen Tag bekommen wir abermals Unterstützung von weiteren Freiwilligen, besagtem Kanadier, der Australierin und einer Neuseeländerin, die mit Hamish und Sophie bekannt ist. Das hat zur Folge, dass weitere Hausbewohner in den zweifelhaften Genuss kommen ihr Zimmer teilen zu müssen. Überraschender Weise haben sich dafür aber freiwillige Freiwillige gefunden. Hamish und Michael teilen sich ein Zimmer, wofür ich meinen Respekt aussprechen muss. Ich persönlich fände es nämlich ziemlich ätzend, arbeiten und leben wir doch weitestgehend so oder so schon zusammen, meiner einzigen privaten Rückzugmöglichkeit beraubt zu sein. Nicht ganz so freiwillig (vermutlich) werden sich auch die beiden neu angekommenden Mädels das alte Zimmer Coris und Adams teilen. Die Beiden zogen nämlich heute in eines der leeren Büros im alten Haupthaus, worüber sie recht froh sind, lebt es sich dort doch ein wenig zurückgezogener.

Sonntag, 20. Februar 2011

Ein gutes Gefühl

Nach Beendigung zweier recht anspruchsvoller Sessions an der Zippline am Samstag, trat ein, was einen Greenhillfreiwilligen mit Recht stolz machen kann: Die Leiterin der Playboard-Gruppe (eine Cross-Coummunity-Group, die sich aus Mitgliedern sowohl von der protestantischen Shankill als auch von der erzkatholischen Falls Road zusammensetzt) versicherte mir und OJ, nachdem sie Fotos von uns schoss, dass wir für unsere Geduld im Umgang mit den doch ein wenig schwierigen Kindern in die Playboard "Hall of Fame" aufgenommen würden. Sie schätze unsere Arbeit sehr und freue sich auf weitere Besuche. Wunderbar. Genau für solche Augenblicke lohnt es sich, sich hin und wieder von den Kiddies auf den Nerven herumtrampeln zu lassen.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Ulster 'till I die!

Am gestrigen Abend waren nahezu alle Freiwilligen recht kurz entschlossen in Dublin, um dort der Fußballbegegnung Nordirland vs. Schottland im Carling-Cup (lokaler Bierfabrikant) beizuwohnen.
Das Spiel selbst, welches die Nordiren mit 0:3 verloren, war kurz gesagt grauenhaft und eigentlich nicht wirklich als Fußball zu bezeichnen. Den Abend gerettet haben jedoch die tolle Kulisse im neu gebauten AVIVA-Stadion und die sehr einprägsamen Fangesänge der Nordiren. Speziell der Schlachtruf "Green-White Army" - zu einem fast gälisch anmutenden Kaudawelsch zusammengelallte möglichst laut hinauszuschreien - und das Liedfragment "Ulster 'till I die, I'm Ulster 'till I die, I know I am, I'm sure I am, I'm Ulster 'till I die" sagten uns sehr zu und luden zu Variationen wie "There's sugar in my eye (x2), it hurts so bad (x2), There's sugar in my eye" ein.

Bei all dem Spass bleibt jedoch gerade bei Länderspielbegegnungen Nordirlands immer ein ernster Beigeschmack bestehen: Die "nordirischen" Anhänger repräsentieren nämlich keinesfalls das gesammte Land. Die mehrheitlich mit Winkelementen britischer Coleur ausgestatteten Fans sind nahezu alle protestantischer Konfession. Kaum ein Katholik würde auch nur auf die Idee kommen, zu einem Fußballspiel zu gehen, geschweige denn, den Gedanken mögen, von einer als nordirisch ausgewiesenen Mannschaft vertreten zu werden. So teilt der immernoch schwelende Konflikt auch die Sportwelt und man kann sich nahezu sicher sein, das beim Carling-Cup-Spiel der Republik Irland gegen den Norden des Landes (im April) die Luft brennt.
Umso verwunderlicher ist es, betrachtet man die Brisants der Lage und die Gewaltbereitschaft einiger Fangruppen, dass es, ganz anders als in deutschen Stadien, beim Einlass nicht den Hauch einer Sicherheitskontrolle gibt und dass, diesem Faktum zum Trotz, im Stadion nichteinmal ein Hauch von Pyrotechnik zu sehen war.
Freilich sind dies nicht die einzigen Kuriosi, die dem geneigten Beobachter beim Blick durchs Stadion ins Auge springen: Die Fans beider Mannschaften werden durch nichts voneinander getrennt und laufen nach dem Spiel, bei dem sie sich eben noch wüst beschimpften, mehr oder weniger friedlich nebeneinander auf der Straße; Fangnetze hinter den Toren gibt es nicht; Zäune gibt es nicht; im ganzen Stadion herrscht Rauchverbot; ein Hot-Dog kostet 5€ und, zu guter Letzt; beim Carling-Cup gibt es kein Carling sondern stattdessen gar kein Alkohol. Verrückte Welt.

Dienstag, 8. Februar 2011

Zurück aus dem Winterurlaub

Seit vorgestern ist er vorbei, mein Winterurlaub 2011, den ich mit meiner Familie im sonnigen Österreich verbrachte. Eine schöne Woche voll gutem Wetter, genug Schnee und entspannender Bergwellness ist vorbei und ich bin zurück im derzeit regnerischen und windigen Nordirland, wo ich gleich wieder in den Trainingsprozess einsteigen durfte.Aus dem Ausland auf die irische Insel zurückkommend, fällt mir einmal mehr auf, dass man hier dem Himmel näher zu sein scheint. Hinter dieser pathetischen Floskel verbirgt sich mein Eindruck, dass, warum auch immer, die Wolken hier tiefer zu hängen scheinen, was der gesammten landschaftlichen Kulisse eine Art Panorama-Foto-Schnitt verleiht, wie ich ihn sonst noch nirgendwo zu gesicht bekommen habe. Versteht irgendwer was ich zu sagen versuche? Nein? Auch egal...

Nachdem wir heute eine lustige Low-Level-Ropes-Course-Session verbrachten, muss ich gestehen, dass ich ein wenig neidisch auf die "Newbies" bin, war mein eigenes Training doch bei weitem nicht so umfangreich. Umso besser ist es, dass alle anderen die "Newbies" begleiten dürfen, wenn gerade keine Kundschaft angekündigt ist. Es tut mit Sicherheit gut, einige Dinge zu vertiefen. Kundschaft ist jedoch auch ein gutes Stichwort; hätte ich einen Herold um mich, der wie beim beliebten Strategie-Videospiel "Stronghold" zu allem seinen Senf dazu geben würde, würde er nun wohl immer öfter die altbekannte Phrase "Es kommen Leute zur Burg" in leicht erstauntem Tonfall zum Besten geben. Greenhill verzeichnet nun langsam aber sicher den Besucheranstieg, der uns schon seit langem für das Frühjahr versprochen wurde und ich bin wieder einmal ein wenig in Aufbruchsstimmung. Jetzt gehts doch hoffentlich endlich los, oder?

Freitag, 28. Januar 2011

Spass im Übermaß

Es ist vollbracht; der erste große Hausputz im Greenhill-Staff-Chalet hat ein Ende gefunden. Nunja, soweit man in diesm Haus jemals mit dem Putzen fertig sein kann zumindest. Am Mittwoch haben wir, Michael, Stefan, Oj und ich uns der Schmutzkruste angenommen, die sich über die Jahre auf mehr oder weniger jedem Gebrauchsgegenstand im Gemeinschaftsraum abgesetzt hat. Doch damit nicht genug, wir haben auch die sg. Kammer des Schreckens, jene kleine bis unters Dach vollgestopfte Abstellkammer entrümpelt, die Toiletten grundgereinigt und nach einem Fensterputz festgestellt, das es auch eine Welt außerhalb des Hauses gibt, die vorher schlicht nicht sichtbar war. Spass im Übermaß.
Weil mir persönlich dieser doch recht ereignisreiche Tag jedoch noch nicht anstrengend genug war, beschloss ich gegen 22.00 Uhr, noch in der selben Nacht meinen Traum von einer Übernachtung auf der Spitze des Slieve Donnard wahr zu machen. Mein neues Zelt im Gepäck machte ich mich also an den Nachtaufstieg. Die Zeichen standen gut, der Himmel war klar und ich begann die Tour zu genießen. Damit war es jedoch schnell vorbei, als ich in eine Wolkenbank lief und meine Sichtweite trotz Stirnlampe auf einen Bereich von gefühlten 30cm reglementiert wurde. Egal, weiter. Als ich dann nach längerem Suchen die Mourne Wall auf dem Bergsattel erreicht hatte, musste ich mich "nur" noch, die Mauer stetig zur Rechten, dem Steilstück witmen. Was bei Tag ein Klacks ist, erwieß sich jedoch in der Nacht als mühselige Krackselei, die mit einem laut in die Nacht hinausgerufenen Fluch meinerseits einherging, als ich auf den ersten Schneehaufen stieß.



Auf der Spitze dann war der Wind schneidend und bitterkalt und versuchte hartnäckig mich am Zeltaufbau zu hindern. Etwa eine halbe Stunde später lag ich dann eingemummelt im windumtosten Zelt und versuchte in den Schlaf zu finden. Der Erfolg war eher mäßig und wurde gänzlich zunichte, als weitere zwanzig Minuten später der Wind weiter auffrischte - was ich nicht für möglich gehalten hätte - und es auch noch anfing zu schneien. Ich beschloss schleunigst, meine Siebensachen zusammen zu packen und das Zelt abzubrechen und mich durch den Schnee, der ab einer gewissen Höhe dann in Regen überging, an den Abstieg zu machen, eine Entscheidung zu der ich mich im Nachhinein nur beglückwünschen kann. Das einzige was mir am Abstieg besonders in Erinnerung bleiben wird, ist jene halbe Stunde in der ich, nun mit zwei Lampen, über den Bergsattel stapfte und nach dem Pfad suchte, von dem ich wusste, dass er mich sicher zurück ins Tal bingt. Ich habe ihn gefunden und fiel um 2:45 erschöpft auf meine Mattratzen. Am nächsten morgen war der Slieve komplett verschneit. Spass im Übermaß.
Gestern dann kamen die anderen "Oldies" und ich in den Genuss die "Newbies" mit gefakten Verletzungen und viel Geschrei auf ihr Erste-Hilfe-Training vorzubereiten. Ich hatte unlängst von meinem eigen "Search and Evacuatiion Training" - so der Fachbegriff - erzählt und so brauch ich an dieser Stelle nur anzufügen, dass es einen Heidenspass machte, den Verletzten zu spielen. Ich selbst hatte nach einem kleinen Unfall einen Stock im Auge, was garniert mit viel künstlichem Blut einen schaurigen Anblick bot. Seht selbst. In diesem Fall wirklich Spass im Übermaß.
Am Ende dieses umfangreichen Posts sei noch erwähnt, dass Rodney mich und alljene die gerne wollten nach Belfast fuhr, wo wir mein frisch ersteigertes und unendlich bequemes neues Bett abholten und uns anschließend nach einem kleinen Latenightshoppingtrip mit Melissa und Clara und Flo, einem ehemaligen Kollegen Magaretas (EIRENE) zum Pizzaessen trafen. Heute werden wir Leas Geburtstag gebührend begießen und morgen geht es dann in den Winterurlaub. Auch habe ich heute meine erste eigene Gruppe als Grouphost und meine erste Session nach der Winterpause...Spass im Übermaß?!

Sonntag, 23. Januar 2011

Alte Be- und neue Unbe-kannte

Nachdem ich am vergangenen Freitag mit unseren beiden Kiwis in Belfast im Kino war (Black Swan - nur zu empfehlen) habe ich mich mit zwei anderen EIRENE-Freiwilligen, Melissa und Clara, auf ein Pint Headless Dog - wohl mein neues Lieblingsale - im Pub getroffen. Unterhaltungstechnisch war also das nun fast vergangene Wochenende ein voller Erfolg. Dafür sorgte unter anderem jene jazzspielende Altherrenband, welche in besagtem Pub zum Tanze aufspielte.
Auch war es sehr nett, mal wieder mehr als nur ein paar Worte mit den Belfastern zu wechseln. Der einzige Nachteil an diesem Ausflug war, dass ich so die Ankunft dreier weiterer Neulinge im Greenhill Team verpasste. Adam und Corey (hoffentlich richtig geschrieben) sind jenes verheiratete Paar, welches indirekt dafür verantwortlich zeichnete, dass ich mein Doppelbett verlor und AJ stellt jenen "Kanadier" dar, der sich dann doch als Amerikaner herausstellte. Auch Lea, quasi Jan "the Döner" Erdmanns dirkete Nachfolgerin bei EIRENE, ist gestern gegen Abend müde im Staffchalet eingetroffen, um beim Trainingsauftakt nächste Woche dabei zu sein.

Dienstag, 18. Januar 2011

Zurück im alten Trott

Seit Samstag bin ich, nach ereignissreichen vier Wochen in der Heimat, zurück in Nordirland, wo ich abgesehen vom Wetter - hier ist es unglaublich warm und sonnig -  die Situation ähnlich vorfand, wie daheim: Langeweile mangels Arbeit. Nunja, nicht dass es mich besonders stören würde, eine weitere Woche auf der faulen Haut zu liegen, aber ein wenig merkwürdig mutet dieses Faktum doch an, berichtete man uns doch von umwälzenden Änderungen im Programm die im Januar stattfinden sollten. Das (bisher) einzige neue in Greenhill, ist die Abwesenheit von Eddie und Jan, die zum neuen Jahr ihren Abschied nahmen, und von Hamish und Sophie, beide aus Neuseeland, ersetzt wurden. Diese beiden sind Teil jener ominösen Programmänderungen und werden mit einigen anderen neuen Freiwilligen, die wir im Laufe der Woche erwarten, dann alsbald in den Trainingsprozess eintreten. Fotos und weitere Vorstellungen folgen zu gegebener Zeit. Man darf gespannt sein.

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